Das Schaf und der Berg

Ein Schaf stand wollig, weiß und stumm

Gras kauend auf der Wiese rum.


Es war nicht größer als ein Zwerg,

verglichen mit dem dicken Berg,


der sich vor ihm gen Himmel reckte,

womit er wohl auch was bezweckte,


denn er sagte zu dem Schaf:

„Du bist ja wirklich viel zu brav!


Kein Mensch kommt her, um dich zu sehen,

nein, alle wollen zu mir gehen.


Staunen mich an im Sonnenschein,

es darf auch gern verregnet sein.


Egal, wie blöd das Wetter ist,

mein bester Fan ist der Tourist!“


Das Schaf fraß weiter voller Ruh‘

und sah gelassen dabei zu,


als ein Millionenheer Touristen

eroberte des Berges Pisten.


Und als ihm das zu nervig war,

verließ es die Touristenschar


und ging woanders weiterweiden.

Der Berg jedoch, der musste bleiben.


Marianne Thiele

Husavik, Island, 8/17

Last Updated (Friday, 02 April 2021 15:36)