Schneemann Frosty zeigt es allen!

(2010: Schneemann Frosty zeigt es allen. Kurzgeschichte. In: Güstrow Express Nr. 3/19., vom 20. 01. 2010, S. 1)

Frosty war ein schöner Schneemann. Er hatte glänzende Kohleaugen, eine rote Mohrrübennase und einen knackigen Haselnussmund. Seine Schneeohren waren rund und seinen dicken Bauch schmückten fünf lila Knöpfe. Zwei Birkenzweige waren die Arme. Zuletzt gab Baumeisterin Tina ihm Omas roten Schal, und Baumeister Tim setzte ihm Opas Hut auf.

Fertig!

Die Geschwister waren stolz auf ihre Arbeit. „Er sieht toll aus. Schade, dass ich ihn nicht in den Kindergarten mitnehmen kann“, sagte Tim. „Ich glaube, das will er gar nicht“, tröstete ihn seine Schwester.

„Will ich wohl!“, rief Frosty, aber die Kinder antworteten ihm nicht. Sie schüttelten sich den Schnee aus den Sachen und liefen vom Hof.

„Krah, krah! Gib dir keine Mühe“, krächzte die Krähe. „Die Menschen verstehen unsere Sprache nicht, die sind dafür zu dumm!“

„Das ist ärgerlich“, seufzte der Schneemann. „Der kleine Timmy hätte mich beinahe in den Kindergarten mitgenommen. Ich glaube, er wusste nur nicht, wie.“

„Hihi. Das wusste er wirklich nicht, mein Süßer“, kicherte die Krähe. „Du kannst ja nicht laufen, du dicker weißer Lulatsch, und Schlitten fahren kannst du auch nicht.“

„Oh, aber ich will es gern lernen“, meinte der Schneemann. „Zeigst du mir, wie das geht? Gibt es dafür vielleicht einen Trick?“

„Womöglich willst du auch gleich wissen, wie man fliegt?“, lachte die Krähe. „Also pass auf, Laufen geht so: Linkes Bein, rechtes Bein, und gelenkig musst du sein! - Na, alles kapiert?“

„Ja, tausend Dank“, sagte Frosty glücklich. „Ich probiere es sofort aus.“

„Bitte sehr. Ich warte im Kindergarten auf dich“, schmunzelte die Krähe. Dann flog sie fort.

Unermüdlich sagte Frosty das Sprüchlein seiner gefiederten Lehrerin auf, er zog und zerrte an seinen Beinen – bis er sie tatsächlich aus dem Schnee heben konnte. „Linkes Bein, rechtes Bein, und gelenkig muss ich sein!“, rief er stolz, und dann wackelte er los, bis er das Hoftor erreichte. Daneben wartete Tims Schlitten. Der Schneemann setzte sich darauf, nahm den Strick in seine Zweighände, rief: „Bahn frei, ich komme!“, und hui, sauste er auf schnellen Kufen durch die Siedlung, bis er den Kindergarten erreichte.

Leider war der Hof gerade leer, bis auf fünf Schneemänner. Staunend sahen sie zu, wie Frosty vom Schlitten stieg. Linkes Bein, rechtes Bein, und husch, stellte er sich neben seine frostigen Freunde. Jetzt kamen die Kinder aus dem Haus, denn nun sollte der schönste Schneemann gewählt werden. „Wer von euch hat diesen hier gebaut?“, erkundigte sich Frau Bieswurzel.

„Das ist mein Frosty, aber ich weiß nicht, wie er hierher gekommen ist“, sagte Tim ratlos. „Er muss mir wohl hinterher gelaufen sein!“

Da klatschten alle Kinder in die Hände, Frau Bieswurzel übergab Frosty schmunzelnd den ersten Preis, und die Krähe, die natürlich alles beobachtet hatte, fiel vor Stolz fast vom Klettergerüst.

„Herzlichen Glückwunsch! Verrätst du uns, wie das mit dem Laufen geht?“, bettelten die fünf Schneemänner. „Wir wollen das auch lernen!“

Frosty kniff listig ein Auge zu. „Womöglich wollt ihr auch noch wissen, wie man fliegt?“

„Oh nein“, seufzte die Krähe.

„Ja! Ja!“, riefen die Kindergartenschneemänner aufgeregt.

„Na, dann hört mir mal gut zu ...“

Hier endet meine Geschichte, denn was nun geschieht, liebe Kinder, das könnt ihr euch bestimmt denken!

Marianne Thiele

Last Updated (Sunday, 27 December 2020 11:48)