Liebe Gäste meiner Homepage,

heute stelle ich euch das erste Kapitel meines neuen Buchprojektes vor: Gespenster auf der Borgwall-Insel. In und um Krakow am See gibt es einige schöne Sagen, in denen Gespenster eine Rolle spielen. Als Fan dieser Legenden möchte ich einen Beitrag dazu leisten, dass sie nicht vergessen werden. Daher habe ich mir vorgenommen, einige prominente Vertreter der Zunft der Krakower Gespenster in einem Buch auftreten zu lassen. Die ersten Kapitel sind in der Erarbeitung, und den Anfang möchte ich euch jetzt gern vorstellen. Natürlich noch nicht alles - ihr sollt euch ja auf das ganze Buch freuen! Viel Spaß beim Kennenlernen. Über euer Feedback würde ich mich sehr freuen - sowohl über Lob als auch Kritik.

Vielen Dank.

M. Thiele

Kapitel 1

Hey, Leute. Ich heiße Matt.

Matthias rufen mich meine Eltern, wenn sie denken, dass ich was ausgefressen habe. Tja, lasst euch eins sagen: Egal, um was es geht. Ich war‘s eh nicht. Und an dem, was noch passieren wird, bin ich auch nicht schuld. Merkt euch das.

Bei dieser praktischen Einstellung wäre ich gern geblieben. Aber ihr wisst ja, wie es so schön heißt: Erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt.

Am liebsten würde ich gar nicht viele Worte um diese andere Angelegenheit machen. Das Palavern liegt mir nicht. Wenn sich meine Kumpel stundenlang über irgendwelchen Schrott unterhalten, stehe ich meistens friedlich daneben und lasse sie quatschen. Ich bin gerne der große Schweiger. Das hat viele Vorteile. Ich weiß immer gut Bescheid über alles, was gerade so läuft. Ich kann Sachen organisieren, ohne vorher ein Riesenfass aufzumachen.

Geduldig, leise und erfolgreich.

Aber das, was ich im letzten Monat erlebt habe, stand nie auf meiner To-Do Liste. Ich bin doch nicht bekloppt. Echt jetzt! Noch nie in meinem Leben hab‘ ich so viel Schiss gehabt. Nicht nur um mich, sondern vor allem um Tess, meine kleine Schwester.

Okay, ich bin selber nicht uralt. Von meiner Kindergartenzeit trennen mich erst zehn Jahre. Nicht wirklich viel Lebenszeit, um sich mit der totalen Angst auszukennen, werdet ihr denken. Trotzdem, das eine oder andere Mal habe ich damit schon Bekanntschaft gemacht. Am ersten Tag im Kindergarten. An meinem allerersten Schultag. Oder als neulich ein Hund im Stadtpark auf mich zuraste. Da fühlt man sich so unsicher, so verletzlich. Das Herz klopft wie ein aufgescheuchter Vogel in der Brust. Die Hände werden schweißnass. Die Beine zittern wie Wackelpudding. So etwas kennt ihr bestimmt auch. Gutes Zureden reicht dann nicht aus, um den Puls auf normal runterzufahren. Man weiß ja nicht, was noch alles kommt, und rechnet lieber mit dem X- Faktor. Also mit dem absolut Bösen. Natürlich ist das meistens Quatsch und es geht doch noch alles gut aus. Der Hund zum Beispiel wollte nur gestreichelt werden. Ihr wisst ja, der echte Stress passiert viel öfter im eigenen Kopf, selten in der Wirklichkeit. So ist das nun mal.

Ich habe es mir nie gewünscht, die Ausnahme von dieser Regel kennenzulernen. Aber das Leben ist nun mal kein Ponyhof, und ich erfuhr im Juli mehr über stressige Ausnahmen, als mir lieb war.

Der Beweis, dass ich das alles wirklich erlebt habe, liegt seitdem in meinem Schrank. Mutti weiß nichts davon. Sie sagt gottlob immer, dass ich alt genug bin, meine Sachen selbst in Ordnung zu halten. Deshalb lässt sie mich in meinem Zimmer vollkommen in Ruhe.

Ich öffne die Schranktür und warte, bis das Lampenlicht angeht. Ich habe es neulich selber eingebaut. Es war notwendig. Meine Klamotten brauchen es nicht, die haben keine Angst im Dunkeln. Aber ich erschrecke mich dank des sanft glimmenden Lichtes nicht mehr so oft vor dem Schädel, der bleich auf meinen schwarzen T-Shirts thront.

Last Updated (Thursday, 23 July 2020 10:13)