Der Gleitstein

In der Nähe des Dorfes Dobbin liegt ein großer behauener Stein an der Nordseite eines großen Hügels. Er ist 9 Fuß lang und 5 Fuß breit. Er dient den Kindern im Winter als Rodelbahn und im Sommer kann man dahinter verstecken spielen. Seine Oberfläche ist sehr glatt geworden. Deswegen nennt man ihn auch Rutschstein oder Gleitstein. Er hat eine Besonderheit. Die zwei Pferdehufe, die man darin deutlich erkennt, lassen sich nämlich nicht entfernen. Warum das nicht geht, erzählt uns eine Sage.

Im Jahre 1836 soll an dieser Stelle, genau auf der Kuppe des Hügels, ein Feldherr mit seinen Soldaten gestanden haben. Seine Männer hatten hinter dem mächtigen Findling Zuflucht gesucht. Sie duckten sich und hatten Angst davor, dass sie heute sterben würden. Ihre Gegner hatten sich am Fuße des Hügels versammelt. Sie waren zahlenmäßig weit überlegen und malten sich bereits aus, wie sie die kleine Schar oben am Findlingsstein gleich vernichten würden. Sie begannen den Angriff.

Der Feldherr oben am Stein versammelte seine Getreuen um sich. Er wollte nicht lügen und deshalb sprach er diese Worte: „So wenig sich die Hufe meines Pferdes hier auf dem Stein eingraben werden, so unwahrscheinlich ist unser Sieg. Aber wir wollen wie Helden untergehen!“

Sie empfingen die Feinde und schlugen sich, als ob sie tausend Mann stark wären. Und das Wunder geschah! Plötzlich zeichneten sich ganz deutlich die Hufe eines Pferdes im harten Granit des Findlings ab, und nur eine Stunde später war der überlegene Gegner vernichtet.

Sage aus Krakow am See und der Umgebung

Neu erzählt von M. Thiele

Last Updated (Thursday, 28 April 2022 12:45)