Der Gerichtsberg von Hinzenhagen

Während der älteren Bronzezeit (1800 v.Chr.) bestatteten unsere Vorfahren ihre Toten in Baumsärgen, die in mächtigen Grabhügeln beigesetzt wurden. Diese so genannten Hünengräber wurden oft mit Rollsteinen umgeben. Links und rechts des Landweges, der von Hinzenhagen nach Bansow führt, kann der Wanderer solche Grabfelder finden. Über sie gibt es im gesamten norddeutschen Raum viele Legenden.

Vom Gerichtsberg in Hinzenhagen kennen wir die folgende Sage.

Ein Schäfer wurde des Mordes angeklagt und sollte dafür mit dem eigenen Leben bezahlen. Das Urteil wurde auf dem Hügelgrab unter der Gerichtseiche gefällt. Vergeblich beteuerte der Verurteilte seine Unschuld. Die Hinrichtung sollte sofort stattfinden. In seiner Verzweiflung stieß der Hirte seinen Stab tief in den Boden und rief: „Ich bin kein Mörder! Zum Beweis, dass ich unschuldig sterbe, soll dieser trockene Stab nach meinem Tode wieder grün werden!“

Und das Wunder geschah. Noch am gleichen Tage trieb der Hirtenstab grüne Blätter, und ein Busch wuchs daraus hervor, der bald darauf das gesamte Hügelgrab bedeckte. Das ungerechte Urteil jedoch ließ sich nun nicht mehr rückgängig machen.

Zwischen dem Gerichtsberg und dem Großmutterstein, einem viereinhalb Kubikmeter großen Findling, wandelt seitdem des Nachts eine weiße Gestalt hin und her und findet keine Ruhe.

Neu erzählt von Marianne Thiele

Wossidlo, Richard (1939): Aus: Mecklenburgische Sagen. Erster Band. Carl Hinstorff Verlag Rostock

 

 

Last Updated (Friday, 14 February 2020 11:32)