Sagen aus Krakow am See: Burgwall und K├╝che

Nach einer alten Legende haben nicht die Riesen den J├Ârnberg erschaffen, sondern der Teufel. Ein F├╝rst mit Namen Nikolaus, der damals ├╝ber das Land herrschte, hatte sich dem Teufel verpflichtet. Als er sich jedoch einmal dem Befehl des Geh├Ârnten widersetzte, da wurde dieser zornig und beschloss, das ganze Land des F├╝rsten zu versanden. In Krakow aber riss ihm das Sch├╝rzenband und die Erde fiel in den See. So t├╝rmte sich der J├Ârnberg auf.

Zwei andere Inseln, die nebeneinander im Krakower See liegen, hei├čen Burgwall und K├╝che. Sie sollen einstmals eine einzige Insel gebildet haben. Darauf hatte der F├╝rst von Werle ein pr├Ąchtiges Schloss. Zwei seiner Br├╝der besa├čen ganz in der N├Ąhe ihre Wohnsitze, der eine auf dem Gut Dobbin, der andere nicht weit davon entfernt in einem Buchengeh├Âlz. Da finden sich noch heute ├ťberreste einer alten Burg.

Es waren drei feindliche Br├╝der, die st├Ąndig im Streit miteinander lagen. Sie versuchten sich gegenseitig zu t├Ąuschen und auszutricksen. So lie├č der Dobbiner, wenn er ausritt, seinem Pferd die Hufeisen verkehrt herum aufschlagen, damit alle denken sollten, er w├Ąre noch zu Hause. So trauten sich seine Br├╝der nicht, ihn zu ├╝berfallen.

Als nun der Edelmann aus dem Buchengrund einmal in den Krieg ziehen musste, da verbanden sich der Dobbiner und der Bruder vom Burgwall gegen ihn. Sie brachen in seiner Abwesenheit ins Schloss ein, schlugen Frau und Kinder nieder, raubten alle Sch├Ątze und zerst├Ârten das Schloss, so dass der F├╝rst bei seiner Heimkehr nur noch einen Tr├╝mmerhaufen vorfand. Er wusste aber sogleich, wer ihm das angetan hatte, und stie├č gegen seine Br├╝der und deren Schl├Âsser einen harten Fluch aus. Dann verlie├č er die St├Ątte seiner Heimat und zog traurig davon.

Der b├Âse Fluch ging schnell in Erf├╝llung. In Dobbin starben Vater und Sohn in kurzer Zeit an einer Seuche und die Burg ver├Âdete.

Den Burgwall auf dem See traf es noch schlimmer. Als der Burgherr seinen Sohn taufen wollte, fand ein gro├čes Fest statt. Auf dem H├Âhepunkt der Feierlichkeiten versank pl├Âtzlich das Schloss mit allen seinen Bewohnern und G├Ąsten in dem See, darunter auch eine goldene Wiege, in der das neugeborene Kind lag. Seitdem ist es auf dem Burgwall und in seiner N├Ąhe nicht recht geheuer, denn die Toten k├Ânnen in ihrem Grab keine Ruhe finden.

Nachts sollte man sich besser dort nicht aufhalten. Um Mitternacht kommt n├Ąmlich der F├╝rst von Werle aus dem Burgwall hervor. Er sitzt hoch zu Pferde und reitet mehrmals um den Schlossberg, w├╝tend verfolgt von einer Schar junger Reiter ÔÇô den Geistern der erschlagenen S├Âhne seines Bruders. Ohne Kopf reiten sie auf Schimmeln ebenfalls um den Berg. So geht es Nacht f├╝r Nacht, bis jemand kommt und das verwunschene Schloss erl├Âst. Das kann aber nur am Johannistag geschehen. Dann steigt aus dem Burgwall eine wundersch├Âne, reich gekleidete Frau hervor. Sie sch├Âpft mit einem goldenen Eimer Wasser aus dem See. Wer den Mut hat, sie zu k├╝ssen, der bricht damit den Bann und erl├Âst alle Geister. Das w├Ąre gewiss nicht schwer, wenn sich nicht jedes Mal die sch├Âne Frau in eine h├Ąssliche Schlange verwandeln w├╝rde, sobald sich ihr jemand n├Ąhert. Dann verl├Ąsst den Retter der Mut. Deshalb ist der F├╝rst immer noch verwunschen und muss Nacht f├╝r Nacht vor seinen Verfolgern fliehen.

Und manchmal klingt ein trauriges Glockengel├Ąut aus dem See. Es sind die Glocken der Burg, die f├╝r den unschuldigen Jungen in seiner Wiege gel├Ąutet wurden, kurz bevor sich der Fluch erf├╝llte.

Neu erz├Ąhlt von Marianne Thiele

Quelle: Wossidlo, Richard (1939):  Mecklenburgische Sagen. Erster Band. Carl Hinstorff Verlag Rostock

 

 

 

Last Updated (Friday, 14 February 2020 11:34)