Sch√ľttelm√§rchen zur Weihnachten 2019

Poch, poch!

‚ÄěKleine Schweinchen, lasst mich ein, ich bin der liebe Weihnachtsmann!‚Äú

Das √§lteste Schweinchen linste durch das Schl√ľsselloch, um herauszufinden, wem die tiefe Stimme geh√∂rte, konnte aber niemanden erkennen. Wer bat denn sp√§tabends noch um Einlass? Nach einer kurzen Beratung drehte das j√ľngste Schweinchen den Hausschl√ľssel zweimal im Schloss herum, das zweit√§lteste schob schnaufend den Riegel vor, und das √§lteste antwortete dem Fremden.

‚ÄěDu l√ľgst. Du bist nicht der liebe Weihnachtsmann, weil erst morgen Weihnachten ist. Geh fort! Wir lassen dich nicht ein.‚Äú

‚ÄěNicht? Das werdet ihr bereuen!‚Äú, grollte die tiefe Stimme.

Da versteckten sich die drei kleinen Schweinchen √§ngstlich unter dem Tisch, aber das n√ľtzte ihnen nichts, denn drau√üen stand Meister Isegrim, der Wolf. Er blies dreimal gegen das H√§uschen, so stark er nur konnte: Pffft! Weil es blo√ü aus Stroh war, fiel es ruckzuck in sich zusammen.

‚ÄěHa, ihr dummen Schweinchen! H√§ttet ihr mich eingelassen, w√§re es euch besser ergangen!‚Äú, lachte der Wolf. ‚ÄěJetzt fresse ich erst eure Speisekammer leer, und dann ‚Ķ‚Äú

‚Äě‚Ķ wirst du dich entschuldigen!‚Äú, beendete jemand √§rgerlich den Satz.

Da steckten die Schweinchen verbl√ľfft ihre K√∂pfe aus dem Strohhaufen, der eben noch ihr Zuhause gewesen war, und Meister Isegrim drehte sich ahnungsvoll um. Tats√§chlich - da stand niemand anderes als der gestrenge K√∂nig Siebenbart, der Herrscher des M√§rchenreiches. Er trug seinen roten K√∂nigsmantel mit dem goldenen G√ľrtel. Sein wei√üer Bart wehte im Mondlicht wie ein magischer Schleier, und seine Augen funkelten vor Zorn.

‚ÄěDu hast genau 24 Stunden Zeit, um den drei Schweinchen ein neues Haus hinzustellen‚Äú, befahl er dem Wolf. ‚ÄěAus festem Stein. Und wage es nicht zu bummeln! Schlie√ülich ist morgen Weihnachten, und das werden die Schweinchen in ihrem eigenen Zuhause feiern, so wahr ich Siebenbart hei√üe!‚Äú

Der Wolf blieb sprachlos vor dem Haufen Stroh zur√ľck, w√§hrend Siebenbart die heimatlosen Schweinchen ins K√∂nigsschloss brachte.

‚ÄěWie unfair!‚Äú, maulte der Graue. ‚ÄěMusste der K√∂nig gerade heute in seinem Magischen Spiegel durchs M√§rchenreich surfen? Und diese doofen Siebenmeilenstiefel! Ohne sie w√§re er nie rechtzeitig hier aufgekreuzt! Und wieso √ľberhaupt ein Steinhaus? Das kann ich doch nie wieder umpusten!‚Äú

M√ľrrisch trottete er zur√ľck in den Wald, aber er achtete er nicht auf den Weg. ‚ÄěAutsch! Meine Pfote! Was liegt denn hier f√ľr M√ľll herum?‚Äú

Im Moos lag eine kupferne √Ėllampe, die wie ein Schiffchen geformt war. Der Wolf wischte sie ein bisschen an seinem Fell ab. Da fing sie an zu rauchen. In der Rauchwolke manifestierte sich ein Dschinn. Er war etwa einen Meter gro√ü. Im rechten Ohr des Lampengeistes steckte ein Goldring. Haare hatte er keine auf dem Kopf, daf√ľr trug er aber einen schwarzen Bart. Bekleidet war der Dschinn mit einer braunen Pluderhose und goldenen Sandalen. Er kreuzte seine muskelbepackten Arme vor dem Oberk√∂rper, verneigte sich vor dem Wolf und fragte nach seinen Befehlen.

Der Graue hatte sich von seiner √úberraschung schnell erholt.

‚ÄěBau den Schweinchen in dieser Nacht ein Steinhaus!‚Äú

‚ÄěIch h√∂re und gehorche‚Äú, sprach der Lampengeist, verneigte sich erneut und eilte an die Arbeit.

Wie krass ist das denn?, dachte der Wolf erfreut. Nun muss ich mir blo√ü noch √ľberlegen, wie ich mich bei den Schweinchen entschuldigen kann. Vielleicht mit einem Weihnachtsgeschenk?

Da wehte eine k√∂stliche Duftwolke √ľber ihn hinweg, und als der Wolf den Kopf hob und nach oben sah, erblickte er die Hexe vom Pfefferkuchenhaus, die auf ihrem Besen √ľber ihm kreiste.

‚ÄěEinen Teller voller Pfefferkuchen‚Äú, tr√§llerte sie. ‚ÄěEin besseres Geschenk gibt‚Äôs doch gar nicht. Komm mit, ich helfe dir, mein Lieber!‚Äú

Meister Isegrim fiel ein Stein vom Herzen. Er folgte der Pfefferkuchenhexe, und was soll ich euch sagen, liebe Kinder? Am Weihnachtsabend trafen sich alle in dem neuen Haus ‚Äď K√∂nig Siebenbart, die drei Schweinchen, die Pfefferkuchenhexe, der Dschinn und der Wolf. Es duftete total lecker nach frischen Pfefferkuchen, der Schlossk√ľchenmeister hatte die Tafel mit k√∂niglichen K√∂stlichkeiten gedeckt, und du und ich, wir sind auch eingeladen!

Marianne Thiele

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Last Updated (Wednesday, 01 January 2020 12:54)