Ein Drache will zur Feuerwehr

(2007: Drache Theodor will zur Feuerwehr. In: Nordkurier, Nr. 180 vom 04. / 05. August 2007, Kurier am Wochenende / Kurierschnecke, S. 07)

Jedes Kind weiß ja, dass alle Drachen furchtbar gern Blaubeeren essen, damit sie auch ordentlich Feuer spucken können. Der Drache Theodor war da keine Ausnahme. Angelockt durch süßen Beerenduft, landete er zielsicher auf dem Gipfel des Mäkelberges. Und tatsächlich – seine Nase hatte ihn nicht betrogen. Um ihn herum befand sich ein Schlaraffenland für vernaschte Drachen. Er brauchte nur noch seine Krallen auszustrecken, die reifen Blaubeeren zu ernten und mmpf – sie hinunterzuschlucken.

Ah, welch schleckerig süße Köstlichkeit“, brummte Theodor begeistert. „Ich habe ja schon viele Wälder abgeerntet, aber so toll hat es mir noch nirgendwo geschmeckt. Am liebsten würde ich hier nie wieder weggehen. Ah, mmpf, schluck ...“

Bis zum Abend futterte er alles auf, was auch nur im entferntesten blau aussah. Davon bekam er drachenmäßig schlimmen Durst. Am Fuße des Mäkelberges fand er einen See. Dort trank er sich satt und danach rollte er sich in hinter einer dicken Eiche zu einem Verdauungsschläfchen zusammen.

Er wurde wach, weil mit Tatütata ein Feuerwehrauto vorfuhr. Zwei Menschen sprangen heraus, ein großer und ein kleinerer. Sie trugen rote Helme und schicke Uniformen in der gleichen Farbe. Interessiert sah der Drache zu, wie die Leute Seewasser in ihren Tankwagen pumpten.

„He, ihr komischen Zweibeiner“, brummte er. „Ich bin Theodor, der Blaubeerdrache. Wollt ihr mir nicht erklären, wer ihr seid und was ihr da macht?“

Als er sich in seiner vollen Größe aufgerichtet hatte, war er nicht kleiner als das Feuerwehrauto. „Mein jüngerer Kollege und ich holen uns gerade neues Wasser“, erklärte ihm der überraschte Feuerwehrhauptmann. „Das brauchen wir, um Feuer zu löschen!“

Darüber wunderte sich der Drache nicht wenig. „Ich muss nur meinen Durst löschen, wenn ich einen Tag lang schleckerig süße Blaubeeren gefressen habe“, knurrte er. „Feuer lösche ich nicht. Aber ich kann euch welches machen, wenn ihr es mal braucht. Nehmt ihr mich dafür in die Feuerwehr auf? Dann würde ich mir eine Wohnhöhle in diesem Berg suchen und könnte in der Nähe der süßesten Blaubeeren wohnen, die ich jemals gefressen habe.“

„Wir brauchen aber gar kein Feuer“, sagte der Hauptmann ratlos.

„Wieso eigentlich nicht?“, meinte sein Kollege. „Theodor könnte uns doch auf unserer Übungswiese beim Training helfen.“

„Und die Jugendgruppe könnte das schnelle Löschen üben“, ergänzte der Hauptmann. Jetzt war er begeistert. „Bestimmt würde unsere Mannschaft dann beim nächsten Kreisausscheid der Feuerwehren den ersten Platz belegen!“

„Kein Problem“ schnaufte der Drache zufrieden. „Jedenfalls nicht für den ersten Feuerwehrdrachen der Welt!“

Marianne Thiele

 

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