Winter und Frühling streiten sich

(2011: Winter und Frühling streiten sich. In: Nordkurier, Nr. 66 vom 19./20. 03. 2011, Kurierschnecke)

Herr Winter und Frau Frühling trafen sich rein zufällig auf dem Spielplatz des Kindergartens. Sie erkannten einander sofort. Der Winter trug einen weißen Bart mit glitzernden blauen Eiskristallen, einen Pelzmantel, eine zottige gelbe Pudelmütze, dicke Schafwollsocken und gefütterte Stiefel. Auf dem Rücken hatte er einen großen Rucksack, und darin bewahrte er lauter wichtige Sachen auf, die er für das Winterwettermachen brauchte: Eiszapfen, Schneebälle, Nordwind und Schneewolken. Frau Frühling war es warm genug. Ihr genügte ein leichter Mantel, auf dem eine Blumenwiese abgebildet war, dazu trug sie ein blaues Kleid mit gelbem Butterblumenmuster, Ringelsöckchen und grüne, leichte Schuhe. In ihrem Rucksack lagen Blumenzwiebeln, Kirschbaumblüten, Marienkäfer, Sonnenstrahlen, Regenwolken und ein Regenschirm. Das war klug von ihr, denn wenn sie es regnen ließ, musste sie sich ja selber irgendwie trocken halten können. Im März haben die Bäume ja noch kein schützendes Blätterdach!

Herr Winter sah Frau Frühling misstrauisch an. „Ich weiß gar nicht, was du hier willst“, brummte er. „Die Kinder sind doch mit mir vollkommen zufrieden. Du kannst ruhig etwas länger schlafen und mir das Wettermachen überlassen. Ich weck dich dann im Juni. Für morgen habe ich sowieso schon neuen Schnee eingeplant, damit die Kinder rodeln können.“

Er nahm ein weiches Tuch zur Hand, um für die Dachrinne des Kindergartens einen neuen Eiszapfen blank zu putzen. Frau Frühling schüttelte amüsiert den Kopf. „Noch mehr Schnee und noch mehr Eiszapfen?“, fragte sie lachend. „Da kennst du die Kinder aber schlecht, mein Lieber. Die mögen dein kaltes Winterwetter nicht mehr. Sonne, Krokusse, Schneeglöckchen und kuschelige Weidenkätzchen – darauf freuen sie sich. Sie wollen auch nicht mehr rodeln, sondern Skateboard und Fahrrad fahren!“

Der Winter war entsetzt, als er das hörte. „Das sagst du jetzt nur, um mich zu ärgern!“, rief er. „Ich weiß ganz bestimmt, dass mich die Jungen und Mädchen viel lieber haben als dich. Sie mögen meinen kalten Nordwind, weil sie dann gemütlich am warmen Kamin sitzen und lesen können; und sie gehen gerne Eisangeln und Schlittschuhe laufen, weil das so viel Spaß macht.“ „Hihi. Das mag ja sein, aber doch nicht 12 Monate am Stück“, kicherte Frau Frühling. „Deine Zeit ist um, du alter Zauselbart. Lass deine Eiszapfen und deine Schneewolken ruhig in deinem Wetterrucksack. Ich wette mit dir um einen heißen Pfefferminztee: Wenn die Kinder wählen könnten, würde nach dem Herbst bestimmt gleich der Frühling kommen!“

Was meint ihr, liebe Kinder? Wen mögt ihr lieber – den Winter oder den Frühling? Was würdet ihr den beiden Streithähnen sagen?

Gestaltet tolle Texte und Bilder!

Marianne Thiele

 

Last Updated (Thursday, 07 March 2019 17:15)