(Dimmuborgier, Island, 8/17)

Gilgamesch und Enkidu besiegen das Ungeheuer

Die Gilgamesch - Sage ist vermutlich 5.600 Jahre alt. Sie stammt aus dem Zweistromland, dem fruchtbaren Land zwischen Euphrat und Tigris, und gilt als Ă€lteste Überlieferung der Menschheit.

Gilgameschs Abenteuer wurden auf 12 Tontafeln niedergeschrieben, denn der Computer oder das Papier waren damals unbekannt. ArchĂ€ologen entdeckten die Tafeln im heutigen Irak, als sie die Stadt Uruk ausgruben, die erste Hochkulturstadt der Menschheit. Ihre Bewohner nannten sich UrukĂ€er. Sie bauten einen Tempelbezirk mit einer schönen Stufenterrasse, errichteten eine Ă€ußere und eine innere Stadtmauer zum Schutz gegen Feinde, schufen ein fantastisches BewĂ€sserungssystem fĂŒr ihre Felder und GĂ€rten, trieben fleißig Handel mit dem Umland wurden wohlhabend. Ihre Stadtgöttin hieß Inanna.

Über Gilgamesch wissen wir, dass er zu zwei Dritteln ein Gott und zu einem Drittel ein Mensch gewesen sein soll. Er war also nicht unsterblich. Sein Vater war entweder der Gott An oder der SturmdĂ€mon. Seine Mutter war Nin-sun, die schöne und kluge Tochter des Königs Emmerkar. Gilgamesch war unglaublich stark und soll 11 Ellen groß gewesen sein, was einem Riesenmaß von 4,40 m entspricht. Sein Name bedeutet „hell strahlender Feuerbrand“, vermutlich aufgrund seiner leuchtend blonden Haarfarbe. Die anderen UrukĂ€er trugen schwarzes Haar.

Gilgamesch regierte nach Emmerkar als strenger und kluger König in Uruk. Auf Anweisung von Gott An erschuf die Göttin Aruru einen Gegenspieler fĂŒr Gilgamesch. Enkidu war etwas kleiner und breiter als Gilgamesch, aber fast ebenso stark. Er war ein Tiermensch, dem echtes Fell auf seinem Körper wuchs.

Die Sage berichtet von Gilgameschs Abenteuern und Heldentaten, von seiner Freundschaft zu dem Helden Enkidu und von seinem sehnlichen Wunsch, unsterblich wie ein echter Gott zu werden.

Der WĂŒstensturm kam aus dem Westen. Wie ein gefrĂ€ĂŸiger Drache riss er Milliarden glĂŒhendheißer Sandkörnchen an sich. Er ballte sie auf seiner tagelangen Reise zu einer gelbvioletten Wolke zusammen, die stĂŒndlich grĂ¶ĂŸer wurde. Als sie beim besten Willen keine weiteren WĂŒstensandkörner mehr an sich reißen konnte, ohne dass sie geplatzt wĂ€re, wiesen die Götter der Monsterwolke ein Ziel zu. Gehorsam jagte sie mit Sturmgeheul nach Osten. Nach Uruk.

Der WĂŒstensturm nĂ€herte sich der Stadt so rasend schnell wie ein Langboot, das mit dreißig starken Ruderern ĂŒber die Wellen des Euphrat jagt. Die Stadtbewohner flohen in ihre HĂ€user. Sie warfen feuchte Decken ĂŒber ihre Kinder. Sie stopften Stroh in die Ritzen der LehmwĂ€nde. Sie hĂ€ngten nasse TĂŒcher vor die TĂŒren und Fenster. Und sie beteten. Vielleicht hatten die Götter mit Uruk Mitleid? Vielleicht flog Sandsturm an der Stadt vorbei?

Als die ersten Sandkörner so heftig an die WĂ€nde und TĂŒren prasselten, als ob tödliche Speerspitzen Einlass begehrten; als der glĂŒhend heiße Atem der WĂŒste in die LehmhĂ€user kroch, da wussten die Menschen, dass die Götter ihr Flehen nicht erhört hatten.

Zwei Tage lang wagte sich kein UrukĂ€er auf die Straße. Erst am dritten Tag, nachdem der Himmel nicht mehr gelb, sondern wieder blau war, begannen die Menschen, ihre verwĂŒstete Stadt aufzurĂ€umen.

König Gilgamesch sah das Elend, und sein Herz wurde schwer. Er rief Enkidu zu sich. Der Tiermann traf seinen König und Freund auf der obersten Plattform der Zitadelle. Dies war der erklĂ€rte Lieblingsplatz des Herrschers. Von hier oben verfolgte Gilgamesch normalerweise voller Stolz, wie fleißig die UrukĂ€er auf den Feldern und in den ObstgĂ€rten arbeiteten, wie sie im Fluss fischten oder in der Stadt geschĂ€ftig ihrem Tagewerk nachgingen.

Doch was sah der König heute? Nichts Erfreuliches! Unfruchtbarer Sand bedeckte die gesamte Stadt, die GĂ€rten und Felder, soweit das Auge reichte. Auch hier oben knirschten bei jedem Schritt die Sandkörner unter den FĂŒĂŸen der MĂ€nner.

„Ich möchte dich um deine Meinung als mein Berater bitten“, sagte Gilgamesch nach einer kurzen BegrĂŒĂŸung. „Es geht um folgendes. Ich will einen Wald um unsere Stadt pflanzen. Wenn die BĂ€ume groß geworden sind, werden sie uns vor den SandstĂŒrmen schĂŒtzen. Wie gefĂ€llt dir das?“

„Das ist ein guter Plan“, bestĂ€tigte Enkidu. „Aber woher willst du die Setzlinge holen?“

„Vom Zedernwald am Götterberg!“

Der Tiermann erschrak, als er das hörte.

„Das wird dir nicht gelingen. Der Zedernwald hat einen schrecklichen WĂ€chter – das Ungeheuer Huwawa. Sieben PanzermĂ€ntel schĂŒtzen seinen Schuppenkörper. Sein Maul spuckt Feuer, sein GebrĂŒll ist lauter als die Sturmflut, sein Atem ist giftig und ein einziger Blick von ihm bringt dir den sicheren Tod. Huwawa verhandelt mit niemandem. Jeden einzelnen Baum verteidigt er mit allen seinen ZĂ€hnen und Pranken. Er wird dir keine einzige Zeder abgeben!“

Gilgamesch runzelte unzufrieden die Stirn. „Ich habe ja auch nicht behauptet, dass es leicht wird! Ich werde mit dem Ungeheuer um die Setzlinge kĂ€mpfen, wenn es sein muss; und wenn ich dabei sterbe, so werden die Menschen von mir sagen: Gilgamesch, der König von Uruk, ist der kĂŒhne Held, der durch den wilden Huwawa besiegt wurde. So wird mein Name noch gerĂŒhmt werden, wenn meine Zeit auf Erden lĂ€ngst vorĂŒber ist.“

Enkidu hatte aufmerksam zugehört. Er hob und senkte seine breiten Schultern, als ob er sich bereits fĂŒr den Kampf fit machen mĂŒsste. „So denkt ein wahrer Held, mein Freund“, sprach er, „aber gewiss kein weiser. Interessiert dich meine ehrliche Meinung?“

Als Gilgamesch stumm nickte, fuhr Enkidu mit eindringlicher Stimme fort: „So wisse: Wenn du alleine losziehst, um mit Huwawa um ein paar BĂ€ume zu kĂ€mpfen, wirst du ganz sicher sterben. Uruk wird den besten König verlieren, den es jemals hatte, und ich meinen besten Freund.“

„Ja, ja. Du redest schon wie meine liebe Mutter. Dabei bin ich doch eigentlich gar nicht allein“, brummte Gilgamesch verĂ€rgert. „Ich dachte nĂ€mlich, du wĂŒrdest 
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 mitkommen“, ergĂ€nzte Enkidu lĂ€chelnd. „Und du hast dich auch nicht geirrt. Ja, ich werde dich auf diesem Waffengang begleiten, auch wenn unsere Überlebenschancen dann trotzdem noch denkbar schlecht stehen. Wir werden gemeinsam siegen oder gemeinsam untergehen. Aber lass uns nicht leichtsinnig sein, mein Freund. Wir brauchen starke Waffen!“

Sie riefen den Schmied. Er fertigte fĂŒr die Helden eiserne Krummschwerter und eine gewaltige Streitaxt an. Die Axt war so schwer, dass drei MĂ€nner nötig waren, um sie zum König zu tragen. Doch Gilgamesch griff so unbekĂŒmmert nach ihr, als ob sie leicht wie Stroh wĂ€re.

Die Helden beteten zu den Göttern und opferten den Unsterblichen einen jungen Widder fĂŒr ihre glĂŒckliche Heimkehr. Die Ältesten der Stadt warnten die GefĂ€hrten zum Abschied. „Niemand hat es bisher gewagt, mit Huwawa zu kĂ€mpfen“, sagten sie. „Er ist ein Geschöpf Enlils, des Herrn der Erde. Mögen die Götter euch beistehen. Mögen sie euch gesund nach Uruk zurĂŒckbringen!“

Die Helden bedankten sich fĂŒr die guten WĂŒnsche und brachen auf. Ihr Reiseziel lag im Nordwesten. FĂŒnfzig Meilen legten sie an einem Tag zurĂŒck. Die Wegstrecke von drei Monaten bewĂ€ltigten sie in drei Tagen. Sie durchquerten zu Fuß die WĂŒste, und sie litten Hunger und Durst. Am Abend des dritten Tages erreichten die Freunde den Zedernwald und schlugen vor dem Eingangstor ihr Lager auf. Nach einem einfachen Nachtmahl legten sie sich erschöpft zum Schlaf nieder.

Doch mitten in der Nacht fuhr Gilgamesch erschrocken auf. Er rĂŒttelte Enkidu wach. „Verzeih mir, dass ich dich wecke, aber ich hatte einen schrecklichen Albtraum“, sagte er. „Vielleicht kannst du ihn fĂŒr mich deuten? Ich trĂ€umte, dass der Himmel schrie und dass der Boden erbebte. Der helle Tag wurde zur finsteren Nacht. Tod und Verderben regneten aus schwarzen Wolken herab auf die Erde. Als nĂ€chstes zerrissen Blitze den Nachthimmel. Eine riesige helle Flamme schoss hinauf bis in die Wolken. Ja, und dann verschwand der Feuerschein, und die Flamme erlosch. – Sprich, Enkidu, was bedeutet mein Traum? Werden wir morgen sterben?“

Der Tiermann ĂŒberlegte. „Nein“, entschied er. „Die Blitze und die Flamme, das warst du selbst – Gilgamesch, der hell strahlende Feuerbrand! Du hast das Böse erfolgreich bekĂ€mpft – den Tod und die brĂŒllende Erde. Das sind die Symbole fĂŒr das Ungeheuer! Ich deute es so: Wir werden Huwawa zum Kampf stellen und besiegen. Du wirst die Setzlinge nach Hause bringen. Nun? Was sagst du?“

Gilgamesch erwiderte gar nichts. Wortlos umarmte er seinen Freund.

Als die Morgensonne ĂŒber dem Zedernwald aufging, passierten die Helden das Eingangstor. Und dort geschah etwas Unglaubliches! Bereits nach wenigen Schritten mussten sie nĂ€mlich schweigend stehen bleiben, unfĂ€hig, ungesĂ€umt ihrer Mission zu folgen. Beinahe hĂ€tten sie sogar vergessen, weshalb sie hergekommen waren, so ungewohnt und ĂŒberwĂ€ltigend war der Anblick, der sich ihnen bot.

Nie zuvor waren die tapferen WĂŒstensöhne der PrĂ€senz eines solchen Waldes begegnet. Was sie sahen, hörten und spĂŒrten, berĂŒhrte ihre Herzen. Die hoch aufragenden, geraden ZedernstĂ€mme standen streng ausgerichtet da wie LanzenschĂ€fte, jedoch in unregelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden, und ihre unglaubliche Anzahl konnte sich mit der unendlichen Menge der Wassertropfen im Euphrat problemlos messen. Wohin der bewundernde Blick der Helden auch schweifte, stets stieß er auf natĂŒrliche Grenzen. Der Horizont lag nicht mehr in unbestimmter Ferne, wie sie es gewohnt waren, sondern er war immer grĂŒn und sehr nahe, geformt aus den lebendigen Gehölzen des Waldes und seinem Blattwerk.

Der Zedernwald hieß die Helden willkommen wie ein freundlicher Gastgeber. Die Kronen der BĂ€ume formten ein grĂŒnes BlĂ€tterdach, das herrlichen Schatten spendete. Die Vögel sangen vielstimmig ihren Morgengruß fĂŒr die Götter. Die Luft roch unglaublich frisch und sauber. Zahlreiche Quellen sprudelten aus dem Erdreich. Sie versorgten den Wald und alle seine Bewohner mit klarem Wasser.

„Hier ist es schöner als in allen GĂ€rten Uruks“, sagte Gilgamesch ergriffen. PrĂŒfend berĂŒhrte er einen Baumstamm, um die lebendige, warme Rinde spĂŒren zu können.

„Ja, und es ist eine wilde Schönheit, mit einem einzigen HĂŒter - Huwawa", ergĂ€nzte Enkidu. „Er wandert auf einigen wenigen Schneisen ganz allein durch sein Revier und sieht ĂŒberall nach dem Rechten. Mit einem Schnippen seiner Klauen könnte er mehr BĂ€ume fĂ€llen als alle UrukĂ€er mit ihren Äxten in einem Jahr. Aber so einen Frevel wĂŒrde er nie begehen. Er ist der WĂ€chter der BĂ€ume, nicht ihr Henker.“

„Damit hast du zwar recht, aber denk bloß nicht zu gut ĂŒber ihn“, warnte Gilgamesch. „Er ist und bleibt ein Monster, ein Geschöpf Enlils, des Herrn der Erde. Und du kennst Enlils Befehl! Huwawa muss diesen Wald schĂŒtzen. Kein Sterblicher darf ihn betreten, auch du und ich nicht. Und da wir trotzdem hier sind, 
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 sind wir Einbrecher und gehören bestraft“, beendete sein Freund grimmig den Satz. „Am besten wĂ€r‘s, das Monster frisst uns auf.“

„Ganz genau“, bestĂ€tigte Gilgamesch. Entschlossen umklammerte er den Griff seiner Streitaxt. „Da wir aber nicht als Diebe enden wollen, sondern als unsterbliche Helden, mĂŒssen wir mit Huwawa kĂ€mpfen. Vielleicht besiegen wir ihn sogar? Die Gedanken der Götter sind unergrĂŒndlich!“

Die Freunde schwiegen nun. Sie drangen auf Huwawas Pfaden tief in den Wald ein, ohne dass das Ungeheuer sie aufgehalten hĂ€tte. Im Zentrum des Waldes stand der heiligste Baum, ein uralter, mĂ€chtiger Riese. Vier Quellen nĂ€hrten ihn, und seine Krone berĂŒhrte beinahe die Wolken. Hundert MĂ€nner hĂ€tte man gebraucht, um den Stamm dieses Baumriesen mit ausgestreckten Armen zu umfassen.

Gilgamesch legte seine mĂ€chtige Axt prĂŒfend an die feste Rinde der Zeder. Huwawa reagierte trotzdem nicht. Da schlug Gilgamesch mehrmals kraftvoll auf den Baum ein und verletzte ihn. Borke prasselte zu Boden, Äste brachen knirschend ab. Die AxtschlĂ€ge dröhnten durch den Wald. Der ungewohnte LĂ€rm rief nun endlich den WĂ€chter herbei.

„Wer wagt es!“, brĂŒllte er mit Donnerstimme. „Wer legt Hand an die GötterbĂ€ume?“

Huwawa raste heran wie eine Sturmflut. Seine Augen glĂŒhten rot vor Wut. Das aufgerissene Maul des Monsters sah aus wie ein wahr gewordener Albtraum – dreieckig, mit messerscharfen, spitzen ZĂ€hnen. Er zischte und fauchte, und sein giftiger Atem ließ reihenweise die Kronen jener BĂ€ume verdorren, an denen er vorbeijagte. Unter dem Panzermantel des Ungeheuers peitschte ein krokodilartiger Schwanz wĂŒtend hin und her. Wenn er damit gegen die BĂ€ume schlug, brach die Rinde ab, und tiefe Wunden blieben im Holz zurĂŒck.

Bei Huwawas Anblick fĂŒhlten sich die Helden wie gelĂ€hmt. Keiner der beiden war mehr in der Lage, seine Waffen zu benutzen. Gleich wĂŒrden sie den giftigen Odem des Monsters einatmen mĂŒssen, und dann 
 ja, was dann? War dies schon ihr Ende?

Gilgamesch flehte den Sonnengott Utu laut um Hilfe an. Und das Unglaubliche geschah. Hoch oben, in seinem Himmelswagen, erhörte Utu die Bitte. „Greift das Ungeheuer an und fĂŒrchtet euch nicht!“, rief er den Helden zu. „Ich helfe euch!“

Utu rief die Winde zu Hilfe: Den mĂ€chtigen Wind, den nördlichen Wind, den Sturmwind, den kalten Wind, den Gewitterwind und den heißen Wind, mitsamt ihren sieben BrĂŒdern. Dreizehn Winde schickte Utu gegen Huwawa. Sie lĂ€hmten ihn, drĂŒckten ihn machtvoll zur Erde und schlugen ihn mit Blindheit, so dass er seinen eigenen LĂ€hmungs- und Todesblick nicht mehr gegen die Helden einsetzen konnte.

Da hob Gilgamesch seine Axt und hieb Huwawa nieder.

„Töte mich nicht!“, flehte das Ungeheuer. Du sollst mein Herr, ich will dein Sklave sein. Ich will dir so viele Zedern geben, wie du haben willst, und du kannst dir aus ihrem Holz Tempel, HĂ€user und Schiffe bauen. Nur schone mein Leben!“

Gilgamesch zögerte.

Die dreizehn Winde, die Huwawa noch immer zĂŒgelten, fauchten warnend.

„Er lĂŒgt“, sagte Enkidu verĂ€chtlich. „Du kannst ihm nicht glauben. Denk an deinen Traum! Niemals wird dieses Monster dir verzeihen, was du ihm heute angetan hast!“

Da schlug Gilgamesch den Kopf des Ungeheuers ab. Doch bevor es starb, verfluchte es den König mit seinem letzten Atemzug.

„RĂ€che mich, Enlil, Herr der Erde!“, röchelte es. „Gilgamesch hat dir Unrecht getan. Er hat mich, den treuen WĂ€chter deiner Zedern, ermordet. DafĂŒr soll er verflucht sein! Die heiligen BĂ€ume sollen ihm kein GlĂŒck bringen. Und unsterblich soll er auch nicht werden. Höre mich, oh Herr Erde!“

Huwawas Augen brachen. Das heiße Blut, was aus seinem Leib floss, war schwarz, giftig und stank erbĂ€rmlich. Alle Pflanzen, die mit dem Monsterblut in BerĂŒhrung kamen, gingen auf der Stelle ein.

Erst jetzt, nachdem die Gefahr vorĂŒber war, ließen die dreizehn Winde von dem Ungeheuer ab und kehrten in den Himmel zurĂŒck.

„Utu sei Dank“, sagte Gilgamesch erleichtert. „Diesen Kampf haben wir gewonnen. Als Beweis werden wir ein paar junge Zedern nach Uruk mitnehmen. Sonst glaubt uns dieses Abenteuer doch kein Mensch.“

„Ich freue mich schon darauf, wie uns die schönen MĂ€dchen bewundern werden“, ergĂ€nzte Enkidu mit breitem Grinsen. „Als die Helden, die den furchtbaren Huwawa besiegt haben. Stimmt doch, oder?“

Der Sonnengott Utu schmunzelte ein wenig, als diese Frage hörte, aber er verzichtete auf eine göttliche Antwort. Er wusste ja, dass Gilgamesch und Enkidu ihn in drei Tagen zur Siegesfeier einladen wĂŒrden - nach Uruk, der stolzen Stadt am Euphrat.

 

Neu erzÀhlt von Marianne Thiele

12/2018

Leseempfehlung fĂŒr Kinder:

Kreißig, Heinz: Gilgamesch. In: Sagen der Welt. Der Kinderbuchverlag. Berlin 1977. 1. Auflage, S. 3 -29

In diesem Buch außerdem enthalten: Die Argonauten, Beowulf, Androklus und der Löwe, die Gudrunsage.

Leseempfehlung fĂŒr Erwachsene:

Mielke, Thomas R.P.: Gilgamesch. Aufbau Taschenbuch Verlag GmbH. Berlin 2004, 2. Auflage

 

 

Last Updated (Sunday, 09 June 2019 08:25)