EicheamOberseeApril2018.jpg Eiche am Krakower Obersee

Jahreswechsel im MĂ€rchenreich

(2011: Jahreswechsel im MĂ€rchenreich. In: Nordkurier, Nr. 305 vom 31.12. 2011 /1.12012, Kurierschnecke)

FĂŒr den letzten Dezembertag hatte sich König Siebenbart, der gute Herrscher des MĂ€rchenlandes, etwas ganz Besonderes ausgedacht. Er lud seine Untertanen ins Schloss ein. Als niemand mehr fehlte, sprach der König: „Liebe Freunde, lasst uns zusammen Silvester feiern und um Mitternacht die bösen Geister des alten Jahres mit einem Feuerwerk vertreiben!“

Der Wolf, die Pechmarie und der Flaschenteufel tuschelten miteinander, als sie das hörten.

„Anwesende natĂŒrlich ausgenommen!“, beruhigte Siebenbart sie.

„Und womit fangen wir an?“, erkundigte sich das RotkĂ€ppchen.

„Mit einem Rodelwettbewerb“, sagte der König. „Genau in diesem Moment bedeckt die Schneekönigin den Schlossberg mit Eis und Schnee, damit wir eine hervorragende Abfahrtstrecke haben.“

„Oh nein!“, hauchten die drei kleinen Schweinchen. Ängstlich versteckten sie sich hinter Gerdas RĂŒcken.

„Diesmal tut sie uns nichts“, versprach Kai ihnen.

Auf dem Gipfel des Schlossberges wartete die Schneekönigin ungeduldig auf den Beginn des Wettbewerbs. Sie hatte ihren Schnee großzĂŒgig verteilt und die BĂ€ume mit Reif und Flocken geschmĂŒckt. UnzĂ€hlige Schlitten standen bereit, und hui!, sauste ein MĂ€rchenwaldbewohner nach dem anderen den Hang hinunter. Die Pechmarie, der Flaschenteufel und der Wolf teilten sich einen Schlitten. Sie verfolgten das GefĂ€hrt der drei kleinen Schweinchen, als ob sie auf der Jagd wĂ€ren, schnappten nach den Beinchen und taten insgesamt so, als wollten sie die Ferkel fressen.

„Ihr seid disqualifiziert und mĂŒsst zur Strafe in der SchlosskĂŒche arbeiten“, sagte König Siebenbart Ă€rgerlich, als die Störenfriede kichernd am Ziel eintrafen. FĂŒr alle anderen MĂ€rchenfreunde wurde es noch ein schöner Nachmittag. Abends versammelten sie sich im königlichen Festsaal, denn nun waren sie hungrig und durstig.

Doch die Teller und Tassen waren ratzeleer, und vom Wolf, von der Pechmarie und vom Flaschenteufel war weit und breit nichts zu sehen oder zu hören.Ahnungsvoll schaute man in die KĂŒche.  Da lagen die drei ÜbeltĂ€ter, sie schliefen auf der KĂŒchenbank und schnarchten um die Wette. Daneben stand das Wundertöpfchen. Offenbar hatten die drei nicht nur den Zauberspruch gekannt, sondern auch den elektronischen Chip im Deckel des Töpfchens erfolgreich manipuliert. Nun konnte es nicht nur Reis, sondern auch viele andere Gerichte herstellen. Fisch, WĂŒrstchen und Pellkartoffeln, KleeblĂ€tter und Schweinchen aus Marzipan standen zusammen mit SchokoladenglĂŒckskĂ€fern und Saft servierbereit auf der Anrichte. Das Teufelchen hielt einen Pfannkuchen umarmt und gluckste zufrieden im Schlaf. Das Wundertöpfchen arbeitete immer noch still vor sich hin und spuckte einen Pfannkuchen nach dem anderen aus.

„Töpfchen steh!“, befahl Siebenbart. Es gehorchte auf der Stelle.

Davon wurden die SchlafmĂŒtzen wach, sie sprangen auf, kicherten schon wieder albern und erklĂ€rten vergnĂŒgt, wie es ihnen gelungen war, dem Töpfchen die neuen Rezepte beizubringen.  Da war Silvester gottlob gerettet, alle aßen und tranken, plauderten und spielten, und um Mitternacht begrĂŒĂŸten sie das neue Jahr mit einem wunderschönen Feuerwerk!

Marianne Thiele

 

Last Updated (Saturday, 01 December 2018 16:47)