Roggenmuhme und Roggenwolf

Wenn es im Sommer so hei├č ist, dass jedermann nur noch den Schatten sucht, dann f├╝hlt sich die Roggenmuhme erst so richtig wohl. Sie ist ein norddeutscher Schutzgeist. Ihr Aussehen wird unterschiedlich beschrieben. Manche denken, dass sie wie eine sch├Âne Bauersfrau aussieht und einen geflochtenen Kranz aus Getreidehalmen und blauen Kornblumen im Haar tr├Ągt. Andere sagen, sie w├Ąre eine h├Ąssliche Hexe, mit einer krummen Nase und Triefaugen. Aber egal, wie sie aussehen mag, verb├╝rgt ist, dass die Roggenmuhme das reife Getreide vor Korndieben bewahrt. Sogar auf den Erntewagen soll sie schon mitgefahren sein. Die Bauern wussten fr├╝her ihre Hilfe zu sch├Ątzen und schenkten ihr gern das erste Bund Korn der Ernte.

Die Roggenmuhme ist in ganz Norddeutschland bekannt, jedoch unter unterschiedlichen Namen. Im Norden von Sachsen-Anhalt ruft man sie Regenm├Âhme, und bei Braunschweig und L├╝neburg nennt man sie Kornwyf. Anderswo ist sie als Roggenmutter, Kornweib oder auch Kornweibel bekannt. Aber Vorsicht! Sie ist nun einmal kein Engel, sondern ein launischer Kornd├Ąmon. Wenn die Roggenmuhme zur Erntezeit spielende Kinder am Feldrand entdeckt, dann lockt sie die ahnungslosen Kleinen tief ins Feld, so dass sie nie wieder zur├╝ckfinden.

Die Roggenmuhme hat auch Kinder, und zwar die sechsf├╝├čigen Roggenw├Âlfe. Sie hausen in den reifen Erntefeldern und sch├╝tzen ebenfalls das Getreide, genauso, wie es ihnen ihre Mutter beigebracht hat. Mit ihren sechs Beinen k├Ânnen sie unglaublich schnell rennen. Die Roggenw├Âlfe fangen alle Kinder weg, die in der Zeit zwischen der Kornbl├╝te und der Mahd in die Felder gehen und dort das Getreide niedertrampeln. Die Seelen der Kinder, die so ein Roggenwolf weggeschleppt und aufgefressen hat, m├╝ssen in den Kronen der B├Ąume umherflattern, bis das Korn eingefahren ist.

neu erz├Ąhlt von Marianne Thiele

Sage aus Mecklenburg-Vorpommern / Sachsen - Anhalt / Brandenburg

 

Last Updated (Saturday, 27 October 2018 16:49)