SchĂŒttelmĂ€rchen ĂŒber einen Drachenschatz

(2011: Der Drachenschatz. In: Leipziger Volkszeitung, Nr. ? vom 06 08. 2011, Hallo Kinder)

Im Königreich Ganzweitweg lebte ein König, der hatte eine einzige Tochter, die liebte er mehr als Gold und Silber.

„Wenn du einmal groß bist, darfst du den Hofmarschall Meister Isegrim heiraten und den Thron besteigen“, versprach er ihr.

Aber die Prinzessin hatte ganz andere PlÀne.

„Eigentlich will ich gar keine Königin sein“, sagte sie. „Ich möchte viel lieber mit Tieren arbeiten. Kann ich nicht Zootierpflegerin oder Reitlehrerin werden, lieber Vater?“

Der Hofmarschall Ă€rgerte sich, als er das hörte. „So ein Unsinn! Jetzt muss ich schnell handeln, sonst werde ich nie König!“, knurrte er.

Er legte ein magisches Drachenei in die Mikrowelle, erhitzte es, und was dann mit ihm geschah, das kannst du dir bestimmt denken.

Wenig spĂ€ter erhielt der König beunruhigende Nachrichten. Die kluge Bauerntochter kam weinend ins Schloss und beschwerte sich, dass ihr ein Drache den goldenen Mörser weggenommen habe, und ob sie dem Unhold nun etwa auch den StĂ¶ĂŸel schenken solle? Der Frosch vermisste seine goldene Kugel und beschuldigte Aladin, sie gestohlen zu haben. Der wusste von nichts, fand aber seine Wunderlampe nicht mehr. Und die sieben Zwerge behaupteten, ein garstiger Drache sei in ihren Berg eingedrungen und drohe damit, das Schneewittchen zu fressen, wenn ihm nicht sofort die Prinzessin ausgeliefert werde – basta!

Der arme König erschrak fĂŒrchterlich und suchte seinen Hofmarschall, um ihn um Rat zu fragen.

Meister Isegrim verbarg schnell das Körbchen mit Kuchen und Wein hinter seinem RĂŒcken und sprach: „Ich rate Euch zum Kampf, MajestĂ€t. Es wird nicht lange dauern, bis der Drache auch den Wald unsicher macht, und wo soll ich dann das dumme RotkĂ€ppchen und die sieben Geißlein fangen?“

Also zog der König mit all seinen Soldaten zum Drachenberg. Er befahl den Kriegern, in sicherem Abstand zu warten, und ging allein zur Höhle. Drinnen hörte er die Stimme seiner Prinzessin, und als er ihr mutig folgte, da musste er feststellen, dass Annabell dem Drachen ein MĂ€rchen vorlas: „Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen!“

„Oh wie schön“, hauchte der Drache, rieb Aladins Wunderlampe und wĂŒnschte sich das nĂ€chste MĂ€rchenbuch, damit er noch mehr Geschichten hören konnte.

„Du glaubst ja gar nicht, was ich hier fĂŒr einen lieben Drachen gefunden habe“, sagte die Prinzessin glĂŒcklich. „Kann er nicht bei uns im Schloss wohnen? Bitte, Papa. Dann will ich auch Königin werden.“

Damit war der König gerne einverstanden. Zum Dank schenkte Annabell ihrem Vater und dem Drachen je ein KĂŒsschen. Da gab es einen Knall - peng! - und der Drache verwandelte sich in einen schönen Königssohn.

„Gibt‘ s jetzt eine Hochzeit?“, fragte Meister Isegrim erfreut, als alle drei wieder bei den Soldaten ankamen.

„Ja, aber nicht mit dir!“, lachte Annabell.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann feiern sie noch heute; und du und ich, wir sind auch eingeladen!

Marianne Thiele


Welche MĂ€rchen haben sich im SchĂŒttelmĂ€rchen versteckt?

  1. RotkÀppchen und der Wolf
  2. Die kluge Bauerntochter
  3. Froschkönig
  4. Aladin und die Wunderlampe
  5. Schneewittchen und die sieben Zwerge
  6. Aschenputtel
  7. Der Wolf und die sieben Geißlein

 

Last Updated (Sunday, 10 November 2019 14:20)