Schüttelmärchen über Ferien

(2012: Schüttelmärchen. In: Nordkurier, Nr. 187 vom 11./12.8. 2012, ZETT Kinderseite )

Poch, poch!

„Darf ich Euch stören, Eure Majestät?“

„Nein! Ich habe Ferien und will schlafen. So wie alle anderen Bewohner des Märchenreiches auch!“

„Aber das tun sie nicht, Majestät. Im Gegenteil, sie haben schlechte Laune!“

Erstaunt ließ sich König Willibald II. von dem Gestiefelten Kater die goldene Krone aufsetzen.

„Einerseits ist es ja schön, dass Ihr vor drei Tagen Euer neues Feriengesetz verkündet habt“, erklärte ihm der Kater. „Sechs freie Wochen für alle Märchenfiguren! Andererseits können wir damit wenig anfangen, Eure Majestät, weil es seitdem andauernd regnet. Tag und Nacht!“

Davon hatte Willibald II. nichts mitbekommen, denn er war nicht jagen gegangen, sondern hatte geschlafen. Putzmunter, wie er jetzt war, kam er sogleich dem Übel auf den Grund. „Als meine Oma jung war, besuchte sie zuweilen eine nette Trollfamilie. Sie wohnt mitten im Märchenwald. Mama Troll erzählt ihren Kindern täglich eine Gute-Nacht-Geschichte. Wenn ihr aber einmal keine neue einfällt, dann weinen ihre Kleinen so sehr, dass es im ganzen Reich Dauerregen gibt. Ich fürchte, genau das ist jetzt passiert.“

„Also muss jemand den Trollen schnellstens neue Geschichten bringen, sonst können wir unsere Ferien vergessen“, schlussfolgerte der Kater.

„Richtig! Der tapfere Held wird dafür einen goldenen Taler zur Belohnung erhalten“, bestimmte der König.

„Ich übernehme den Job, Majestät“, knurrte der Wolf. „Und wenn das weinerliche Trollkind nicht bald lacht, dann fresse ich es auf!“ Mit einem Riesensatz verschwand Meister Isegrim im Wald.

Die Schlossbewohner warteten besorgt auf seine Rückkehr. „Das hätten wir verhindern müssen. Der dumme Graupelz kann nicht eine einzige Geschichte fehlerfrei erzählen“, seufzte ein Mädchen mit einer roten Mütze. „Wisst ihr noch, wie er meine Oma gefressen hat? Hinterher hat er doch glatt behauptet, es wäre ja nur das Hofhuhn gewesen!“

„Zählen kann er auch nicht“, meckerte die Ziegenmutter. „Nur zwei von meinen Geißlein hätte er verschluckt, hat er dem Reporter vom Märchenkurier erzählt. ZWEI! Dabei weiß doch jeder, es waren SIEBEN!“

„Sechs, Frau Nachbarin“, verbesserte die Goldmarie sanft.

„Egal“, meckerte die Ziege bockig. „Der Typ wird alles nur noch schlimmer machen!“

In diesem Moment brach die Sonne durch die Wolken. Der Regen verschwand, als ob ihn ein Riese vom Himmel gewischt hätte. „Hurra!“, riefen alle, und: „Meister Isegrim, er lebe hoch!“

Da kam der Graue auch schon aus dem Wald gesprungen, und auf seinem Rücken saß ein Trollkind. „Onkel Wolf hat mir tolle Geschichten erzählt, von den sieben kleinen Schweinchen, dem tapferen Schneewittchen und der Wunderlampe, von dem Fliegenden Ali Baba mit den 40 holländischen Piraten und der schlafenden Prinzessin hinter der Dornenhecke!“, jubelte es.

Da mussten alle Märchenwaldbewohner herzlich lachen. Der Wolf erhielt den goldenen Taler und der König lud alle zu einem Festschmaus ein. Und wenn sie noch nicht alles aufgegessen haben, dann feiern sie heute noch!

Marianne Thiele

Folgende 10 Märchen haben sich im Schüttelmärchen versteckt:

Der Gestiefelte Kater

Rotkäppchen

Der Wolf und die 7 GeiĂźlein

Frau Holle

Die drei kleinen Schweinchen

Schneewittchen

Aladin und die Wunderlampe

Ali Baba und die 40 Räuber

Der Fliegende Holländer

Dornröschen

 

 

Last Updated (Sunday, 09 June 2019 08:31)